Zwölf kleine Ferkel rennen durch die 1 000 l große Box und werden von einer rot leuchtenden Wärmelampe angestrahlt. Es sieht aus, als würde man von oben auf eine Tanzfläche in der Disco schauen. Die Erfindung von Junglandwirt Johannes Lax, die "Lax-Disco-Box", ist eine technische Amme.
"Damit retten wir Leben. Wir können damit die Ferkel aufziehen, die sonst verhungern würden, weil sie sich nicht durchsetzen können in einem großen Wurf. Und wir leisten Tierschutz für die Sauen, die sonst als Ammen eingesetzt würden", erklärt der sympathische Junglandwirt aus Geldern, der zusammen mit seinen Eltern Gabi und Willi sowie seinem vier Jahre jüngeren Bruder Martin 400 Sauen und 2 000 Mastschweine hält.

"Die Genetik ist so gut, dass die Sauen in unserem Betrieb im Durchschnitt 15 Ferkel lebend werfen. Dabei scheitert das Aufziehen der vielen Ferkel nicht an der mangelnden Zitzenanzahl, wie viele Politiker und Tierschützer meinen, sondern an der gesamten Kreislaufbelastung der Ammen.
Eine Sau, die zwei Würfe hintereinander säugen muss, ist anschließend gesundheitlich stark beansprucht. Das Gesäuge leidet darunter und die Umrauschquote steigt stark an", berichtet der 24-Jährige, der sein Agrarstudium in Soest seit letztem Sommer in der Tasche hat. "Für dieses Problem habe ich eine Lösung gesucht und mit der Disco-Box gefunden", sagt Johannes Lax.
Feine Mümmelkens
Gerade die leichteren Ferkel haben durch die Box eine echte Überlebenschance, wie die Zahlen zeigen: "170 g nehmen die Ferkel in der Box am Tag zu und die Verluste liegen bei unter 1 %. Wir ziehen ein bis 1,5 Ferkel mehr pro Wurf damit groß", strahlt der Sauenhalter. Dabei setzt er die starken Ferkel nach rund vier Tagen in die Box und die Schwächeren sortiert er zu einer Sau. "Die Zurückgebliebenen sind schon nach ein paar Tagen richtig feine Mümmelkens", kann auch der 54-jährige Willi Lax bestätigen.
Sogar Ferkel mit Durchfall werden ohne Probleme in der Box gerettet. "Das ist sonst viel schwieriger", hat Johannes Lax die Erfahrung gemacht. Und bevor die Ferkel ins Flatdeck kommen, hält er die untergewichtigen Ferkel auch noch einmal drei Wochen in der Box, bis sie rund 6,5 kg wiegen.
Vor zwei Jahren entwickelte Johannes Lax die Idee der Disco-Box, als er über zu wenige Abferkelbuchten verfügte.
"Also suchte ich nach einem Behälter, in dem ich Lampen, Heizung und Spaltenboden unterbringen konnte. Nur die Fütterungsmaschine hatte keinen Platz in so einem Behälter, bis ich auf die Idee kam, den Trog von außen halb in den Behälter reinragen zu lassen", erinnert er sich an den Prozess der Entwicklung.

Zwei Lampen und Spielzeug

Die Kunststoffbehälter für die Disco- Box bezieht Johannes Lax von der Lebensmittelindustrie, die diese nach einmaliger Nutzung nicht mehr verwenden können. In einem Bau-Container montiert Johannes zusammen mit einem Mitarbeiter die weiteren Teile. Zuerst sägt er einen Deckel aus, den er wie eine Klappe mit Scharnieren befestigt.
"Ich muss die Tiere ja ein- und ausstallen, füttern und beobachten können", erklärt er. Der Deckel nimmt die Hälfte der oberen Fläche ein. In die andere Hälfte sägt er zwei Löcher, damit die Infrarot-Wärmelampen in den Behälter hinein hängen.
"Es ist wichtig, dass es zwei Lampen gibt. Viele Systeme haben nur eine Lampe und wenn diese zum Beispiel nachts ausfällt oder es nachts friert und die Temperaturen abfallen, kühlen die Ferkel aus. Das wollte ich verhindern", sagt er.
Ein Thermostat und Temperaturfühler, an die auch die Infrarotlampen angeschlossen sind, sorgen dafür, dass die gewünschte Temperatur von 32 Grad nicht unterschritten wird. In den Boden arbeitet er einen Spaltenboden aus Kunststoff und darunter eine Güllewanne ein. Beißketten und Jutesäcke sind das Beschäftigungsmaterial für die Ferkel.
Schnelle Hygiene zweimal pro Tag
In der Disco-Box sind eine Vakuum- Milchtränke, eine Beckentränke für die Wasserversorgung sowie ein kleiner Trockenfutterautomat angebracht. Die eine Hälfte des Troges für die Milch und den Brei reicht in die Box, die andere Hälfte zeigt nach draußen, sodass Johannes Lax sie von außen befüllen kann.
Zur Befüllung des Troges nutzt er eine Vakuumtechnik, sodass die Milch automatisch nachgefüllt wird. Auch die Reinigung läuft praktisch ab: Einfach den Trog herausnehmen, ausspülen, fertig.
"Der Trog ist aus Edelstahl, da bleibt kein Film hängen und man bekommt ihn wirklich zügig richtig sauber", sagt er. Das macht er zwei Mal am Tag und nutzt dafür herkömmliches Spülmittel. Hygienisch ist die Box also einfach zu managen.
Wer kann schon mit 24 Jahren einen Gebrauchsschutz, also die Vorstufe zum Patent, anmelden? Das hat Johannes Lax sofort gemacht und jetzt vertreibt er die Lax-Disco-Boxen über die Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS) und den Raiffeisenhandel. 70 Boxen hat er seit dem vergangenen Sommer vermarktet.
Die GFS vertreibt die Disco-Box im Katalog sowie im Online Top-Animal-Shop . Dort ist die Box nach Hersteller-Angaben im Vergleich zu ähnlichen Systemen sehr günstig.
Aus der Praxis, für die Praxis

"Die Disco-Box ist eine Lösung für größere, aber auch für kleinere Betriebe. Denn man muss keine komplexen Fütterungsleitungen legen, sondern kann je nach Betriebsgröße individuell viele Boxen anschaffen", meint er, der gerade von den Agrarunternehmertagen zurückgekommen ist.
"Die Rückmeldungen waren auch dort sehr positiv". Am stolzesten ist er darauf, dass die Sauenhalter meinten, es wäre eine Erfindung aus der Praxis, die ein Problem praktisch und effektiv löse.
"Und viele sagten, man würde der Erfindung anmerken, dass ich jeden Tag damit arbeite. Da ist kein Knopf und kein Handgriff zu viel, aber es fehlt auch nichts. Das hat mich natürlich unglaublich gefreut", sagt Johannes Lax abschließend.
Ein Beitrag von Andrea Bahrenberg, erschienen in der LZ 7 - 2015